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Pathologische und anthropologische Sichtweisen psychiatrischer Erkrankungen

Pathologische Sichtweise auf Erkrankungen bedeutet: die körperliche Sicht. Bei psychiatrischer Erkrankung stimmt also "was" nicht mit dem Gehirn. Ein gestörter Hirnstoffwechsel. Oder mein Gehirn weicht strukturell ab. Toll, und wie weiter?

 

Medizinisch sind also meine erlebten Psychosen irgendwie in einer Form erklärbar. Biologistisch orientierte Psychiater erklären mir demnach, dass ich an einer "unheilbaren Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis" leiden würde und darum mein Leben lang Medikamente nehmen müsse. Die Hoffnung hierbei liegt auf immer bessere Psychopharmaka oder das in absehbarer Zeit durch die Forschung gefundene "Schizophrenie-Genom" (Identifizierung neuer Gene, die mit Schizophrenie assoziiert sein könnten oder auch Varianten von Genen mit dem Risiko der Entwicklung bipolarer Störungen oder sogar Alkoholismus oder oder.....).

 

Psychopharmaka haben also höchsten therapeutischen Stellenwert und wir, die PatienInnen, werden in erster Linie als Leidende mit Behinderungen und Fehlfunktion wahrgenommen.....und nicht als Menschen. Schlecht: Die Pharmalobby strebt Gewinnmaximierung an. Und nicht nur die.

Und wo bleibe ich? Mir wurde gesagt und ich kann nachlesen, dass sich in Psychosen die Ausschüttung von Botenstoffen (Dopamin, Serotonin, Glutamat...) im Gehirn verändern können. Und diese Veränderungen haben je nach Gewichtung Einfluss auf Wahrnehmung und Denken oder Stimmung und Energie.

Aber warum tun sie das?

Ist das Körperliche ursächlich? Oder steht mehr dahinter? Von wegen mein Körper spiegelt die Seele?

 

Er spiegelt. Mit der Psychose erlebe ich eine Wichtigkeit im Dasein, die eine gefühlte Unerträglichkeit des Lebens zu heilen scheint (Plussymptomatik). Ich bin nicht länger unzulänglich und planlos - nein, ich agiere nach einem "höheren Prinzip", nach dem Motto: "ich habe es verstanden, alles gecheckt!! Das Leben! Balsam für eine gestresste Seele. Bislang war ich suchend und allmählich mutlos. Eine existentielle Krise, die alles in Frage stellte. Mit dem Ausbruch der Psychose versucht das Hirn einen verzweifelten "Schritt nach vorne". Es kann auch anders laufen: "Nach hinten": dann schaltet das Hirn auf Sparflamme und gar nichts mehr geht (Minussymptomatik), nicht mehr reden, sich anziehen, waschen......

 

Die rein pathologische Sichtweise und damit den Krankheitsaspekt also um die anthropologische Sichtweise ergänzen. Wer strebt denn nicht nach dem Sinn des Lebens? Psychosen als extremes Ausmaß einer existentiellen Krise von besonderer Dünnhäutigkeit und allzu menschlicher Verletzbarkeit zu verstehen. Dabei geht es nicht darum, Psychosen zu verharmlosen, oder gar ihre Krankheitswertigkeit und Hilfsbedürftigkeit zu bestreiten, sondern die Angst davor zu reduzieren und statt Fremdheit Verständnis wachsen zu lassen.

 

Dieses umfassendere Bild gilt es, noch offensiver in die Öffentlichkeit zu tragen.